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Interview mit dem Autor von „Einspruch, Exzellenzen!“

Der deutsche Synodale Weg dauert noch bis zum kommenden Frühjahr und für die Zeit danach ist bereits der Synodale Rat installiert, um die Reformen, die bis 2023 keine Mehrheit gefunden haben, doch noch durchzubringen. Thommy M. Schott hat sich kritisch mit dem Synodalen Weg auseinandergesetzt. Sein Buch „Einspruch, Exzellenzen!“ erschien soeben im fe-Medienverlag (ISBN: 978-3-86357-364-5). Hierüber sprachen wir mit dem Autor.

Maria 1.0: Herr Schott, Sie engagieren sich bereits seit Jahren mit Ihrer Familie für notleidende Christen auf dem Westbalkan. Jetzt sind Sie als katholischer Publizist tätig. Was war der Auslöser?

Schott: Als ich merkte, dass einige deutsche Bischöfe ernst machten mit Ideen, die man beim besten Willen nicht mehr katholisch nennen kann, war meine Frustrationstoleranz überschritten.

Maria 1.0: Also nahm die Geschichte in 2019 mit dem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen, eine Synode abzuhalten, ihren Anfang?

Schott: Eigentlich ist die Geschichte viel älter. Im Grunde dreht sich ja alles um Sex and War. Schon immer gab es Menschen, die gern Priester sein, aber überhaupt nicht gern keusch sein wollten. Für die war die Kirche seit jeher in der Regel zu streng und in der Vergebung zu großzügig. Der zölibatäre Priester soll vom Hof gejagt werden.

Maria 1.0: Welche Bedeutung hatte Lingen dann?

Schott: Lingen bedeutet, dass die Reformer ihre Ideen nun mit dem sexuellen Missbrauch verknüpfen. Opferidentifikation indiziert die Position des Richtigen.

Marias 1.0: Was würden die Reformer zu Ihrer Behauptung sagen?

Schott: Ich kann Ihnen sagen, was die Psychologie dazu meint: Wer sich bei jeder Gelegenheit mit dem Opfer identifiziert, gibt vor, die Lösung des Problems in der Tasche zu haben, egal wie die aussieht. Und wer ihrem Lösungsansatz widerspricht, wird als Verleugner des Problems beschimpft und vom Diskurs ausgeschlossen. Das ist ein alter und durchschaubarer Trick, aber er funktioniert auch im 21. Jahrhundert, weil viele Menschen sich zu wenig mit der Scheinheiligkeit der Synodalen auseinandersetzen.

Maria 1.0: Hilft Ihr Buch diesen Leuten, sich einen Überblick zu verschaffen?

Schott: Das muss der Leser entscheiden. Aber ich setze nicht erst in 2019 an, denn die Reformforderungen haben ihren jüngeren Ursprung in der Französischen Revolution, im Feminismus und den 68-ern.

Maria 1.0: Aber bischöflich wurden sie erst jetzt?

Schott: Bereits in den 1990-ern gab es eine Freundschaftliche Suchbewegung. Deutschsprachige Bischöfe trafen sich im schweizerischen Sankt Gallen und diskutierten allerlei Unkatholisches. Kardinal Lehmann war auch dabei, der ist uns nicht nur als Vorsitzender der DBK in Erinnerung, sondern als der, der sich Johannes Paul dem Großen in der Frage der Schwangerenkonflikt-Beratung lange Zeit widersetzte.

Maria 1.0: Wenn Sie die Schein-Praxis andeuten, dann stellen Sie eine Verbindung zu den jetzigen Reformabsichten her?

Schott: Die Sache ist tatsächlich komplex. Im Buch spanne ich zwei Bögen. Der eine geht von den jakobinischen Königsmördern 1789 plus zu den Synodalen 2019, denn nicht nur ihre Ideen und Methoden verbinden sie, auch die Anzahl der Jahre zwischen ihnen spiegelt exakt die Anzahl der synodalen Abgeordneten: 230. Weniger symbolisch, aber umso diabolischer ist der andere Bogen: Ausgerechnet ein überlebender KZ-Häftling trug die Ergebnisse von Experimenten deutscher Nazi-Ärzte an den Gebärmüttern jüdischer Frauen in die USA, wo ab 1951 mit Hilfe vermögender Feministinnen die Pille entstand. Die sollte eigentlich die Vermehrung des schwarzen Bevölkerungsteils in den USA reduzieren, Feminismus ist also überhaupt nicht gleichbedeutend mit Emanzipation. Aber auf unserer Seite des Atlantik wurde die Pille als Heilsbringer bejubelt, denn Sexualität blieb in und außerhalb der Ehe folgenlos. Eine der US-Feministinnen gründete später die Organisation, die zum weltweit größten Abtreibungsanbieter wurde und heute Einfluss auf die Bevölkerungspolitik der UN nimmt. Die wenigen Nachkommen, die dem europäischen Pillenknick entkamen, skandieren jetzt blacklifematter zurück Richtung USA, während unsere Synodalen für Sexualität ohne Kinderwunsch plädieren. Aus diesem Zusammenhang wird klar, dass unsere Familien zerstört werden, auch ohne Krieg und Pandemie.

Maria 1.0: Ist diese Entwicklung denn nicht irgendwie zeitgemäß, wie die Synodalen sagen?

Schott: Mein Großvater war katholisch und fand Plastiktüten wunderbar, denn sie waren echt zeitgemäß. Er faltete sie und benutzte sie wieder. Heute verseuchen sie unsere Meere.

Maria 1.0: Damit ist auch hierzu alles gesagt. Danke für dieses Gespräch.

Das Interview mit Thommy M. Schott führte Clara Steinbrecher.